über : löcher & nichts

karolin pfeffer
30.09.2015
 
So, wie du dich langsam. Ganz langsam. Von dir selbst und der Welt zurückziehst. So geht auch der Weg zurück. Langsam. Langsamer als dir dann lieb und recht ist. Bloss. Das blöde ist. Fallen ist leichter als Aufstehen. Oder hochziehen. Oder heraus ziehen. Denn meist fällst man ja in Löcher. Die sind dann tief und schwarz. Was einen da erwartet, weiß man ja auch nie. Vor allem nie rechtzeitig. Dann fällst du. Mal langsam. Mal schneller. Mal schneller als du denkst. Der Peng! Der Knall. Der Aufprall kommt. Außer: du lernst fliegen. Oder dich festhalten. Obwohl. Das kann man oft nicht lernen. Wenn du aus dem Himmel oder aus allen Wolken fällst, ja dann fällst du durch Nichts. Durch nichts anderes als die Luft, die wir zum atmen brauchen. Das nützt dann in dem Moment auch selten. Denn meist. Also fast immer. Hältst du dann eher die Luft an, als zu atmen. So ist das dann. In angehaltenem Atem fallen. Und dann schließt du wohl auch noch die Augen vor allem, denn der Weg des Fallens ohne Festhalten hat ja begonnen. Dann lieber Augen zu und durch. Und später. Nach dem Landen. Prallen. Aufprallen. Alles zusammensuchen – von sich und den anderen und aufräumen. Umräumen. Umverteilen. Behalten und wegwerfen. Das ist dann der neue Ausgangs- oder Anfangspunkt. Dreh dich mal um dich selbst und sieh dir alles gut an, so gut du kannst. Denn es tut ja alles weh. Alles. Und vor allem : überall. Also dreh und wende dich und das und halte dich, halte inne, lasse dich halten und vor allem : halte durch. Das ist schwer. Nun, denn da ist’s meist schwarz und weiß, oder grau und dunkel. Himmelhochjauchzend selten, außer : du freust dich, dass es nun erstmal vorbei ist. Irgendwie vorbei. Der Karren im Dreck. Und du im Loch. Hineingefallen. Bleibe wach. Überraschungen lauern überall. Auch in dunklen Löchern. Manche glauben dann an Engel. Gute Geister. Den Nachbarn. An Glück und manche dann sogar auch an Gott. Oder : soetwas wie einen Gott. Also : so an eine Macht, die über uns wacht. Dann merkst du sofort, wie du dich auf die Floskelwolken setzt oder gesetzt wirst. Und dich gleich getragen fühlst. Oder auch nicht. Denn Floskeln tragen weniger als Freunde. Und sie tragen auch keine Röcke. Unter denen du dich verstecken kannst – wie ein Kind bei seiner Mutter. Floskelwolken sind auch nicht so weich, wie die Hand eines Freundes, wie das Herz, das dich auffängt und bettet, klein und warm im Schein der Liebe. Die Liebe, sie ist ein Krönchen, das dich zum Helden kürt. Zum Helden deines Lebens. Fall überstanden. Fall aber noch nicht gelöst. Kommissare kommen und gehen. Doch die Antwort, nein : die kennt nicht nur der Wind. (Oft pfeifen es zwar die Spatzen vom Dach. Da hören es dann aber nie die richtigen). Vielmehr liegt sie dann in dir, die Antwort, und du wirst sie finden. Herausfinden. Nicht aus dem Fall. Fallen ist fallen. Nein. Auf das Landen folgt das ankommen. Wer ankommt, kann weitergehen. Oder bleiben. Liegen bleiben. Das tun ja dann auch viele und die Gesellschaft trägt sie mit Medikamenten und Diagnosen. Aber nicht auf Händen. Denn dann ist und bleibt das eigene Dunkel so nah. Das will ja niemand. Denn wollen nicht alle: Wir alle. Eigentlich in die Sonne. Last minute – wegen Spontaneität und wenigen Kosten. Also Sonne. Aber doch nicht um jeden Preis. Egal. Der eine hat s, der andere nicht. Und die Sonne steht ja nicht nur im Himmel und treibt sich nicht im Ausland : Also in diesem Fremden. In diesem : woanders ist immer alles besser. Herum. Nein. Irgendwann siehst du sie in den Herzen deiner Freunde. Den Fremden, die dich oder wieder du sie, anlächeln kannst. Irgendwie ist sie dann in dir. Woher auch immer. Und wärmt dich. Zieht dich in ihren Bann. Den Bann der Wärme, des Hellen, des Lichtes. Und dann stehst du auf, ohne es zu merken, also du stehst nicht wirklich auf. Es geschieht dann einfach. Die Sonne lacht und verführt dich. Du lachst zuerst dich an, dann dich aus. Dann beschimpfst du dich und die Angst. Dann lächelst du schüchtern diese Angst an und fragst : kommst du mit oder bleibst du hier : egal, ob sie antwortet : du lachst über dich und deine Ängste. Nimmst sie an die Hand oder auch nicht. Lässt sie los, oder auch nicht. Hebst die Augen dann mal wieder hoch. Weg von dir. Aus dir heraus und siehe : da lacht die Sonne. Da lacht das Leben. Da lachen die, die dich erwarten, an, einfach an. Und so ist das mit den Löchern. Meist. Oder auch nicht.
 
Twitter Facebook Drucken  Mountain Story weiterempfehlen