Achtsam

Tanja Machacek
16.04.2008
 
Kennen Sie David Steindl-Rast?
Geboren in Wien, zog er bald in die USA, um seinem Ruf Mönch zu werden nachzugehen.
Ich habe ihn kennen lernen dürfen, und er hat mir gelehrt achtsam zu sein: gegenüber kleinen Momenten, die schnell da sind und auch wieder weg; gegenüber Dingen, die im Alltagssausen nicht auffallen, und wenn doch, dann im Kontext. Ich möchte Sie hinein begleiten in meine vigilius Welt: in vollendete Momente und in kontextloser Beobachtungen. Eine Wanderung durch die Wahrnehmung in Demut.

Da wären die Platten, die hervorstehen, wenn man im Schwimmbecken seine Kreise zieht. Die Platten sind auf der Unterseite uneben, wie das Relief eines Bergpanoramas; es kommen Farben zum Vorschein, die an der blanken Oberfläche nicht wirken.

Da wäre der Nebel, der sich am Frühstückstisch über das Tal schmiegt und innerhalb von Minuten zu aufgewirbelter Thermik seine Kreise zieht.

Da wäre die Spieleauswahl in der Bibliothek, wo rechts das „Mensch ärgere Dich nicht“ unberührt steht und im Eck das Spiel vom kleine Prinzen, das einlädt sein Herz zu öffnen.

Da wären die Türen zur Terrasse, die gleichzeitig nach außen aufgehen. Zwei Tore, die einen Empfang bereiten.
Die frische Luft legt sich auf das Gesicht, und die Weite lädt ein tief zu atmen.

Da wäre die Maserung der Wand im Zimmer. Sie fühlt sich gut an und hat etwas von Fossilenausgrabungen. Wie die Wirbelsäule eines lang ausgestorbenen Säugers. Was war das wohl für ein Tier?

Und dann die Figuren entlang des Mittelganges. Ist Ihnen aufgefallen, dass jene Frauen, die verkehrt stehen, die glücklicheren sind?

Der Harfenspieler im Wohnzimmer: er beobachtet gerne Menschen zwischen seinen Stücken, und manchmal, wenn er Stellen in Stücken gut kennt, blickt er auf und beobachtet die Situationen.

Haben Sie bemerkt, dass Ihr Teeglas gar nicht heiß wird und es drei verschiedene Teevariationen hat, je nach Ort und Stimmung? Dann wandern Sie vom Frühstück zur Soletherme und dann ins Wohnzimmer des Hotels.

Achten Sie auf die Namen der Behandlungsräume und dann auf die Hände Ihres Therapeuten. Beide sind zart, beide sind sehr genau ausgewählt und stolz.

Achten Sie auf Ihre Atmung und auf die Luft, die Sie atmen. Wie salzig sie ist im Badebereich und schwer, wie scharf und hell sie ist im Freien, wie heimatlich und warm in der Stube.

David Steindl-Rast würde wohl sagen:
Es ist Zeit, achtsam zu sein. Achtsam zu sein, dazu ist Zeit.
vigilius lässt Raum für beides.
 
 
 
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