Der blaue Schurz

Autor Anonym
07.02.2008
 
Jeder kennt das romantische Bild vom Südtiroler Bauern mit der blauen, langen Schürze, meist stolz vor seinem Hof posierend, die Sense schleifend. „Hör mir auf mit diesem Schurz “, schimpft Hans, der Apfelbauer. „

Seit ich elf bin hab ich ihn nicht mehr getragen, das blöde Ding hätte mir fast das Leben gekostet“. Er erzählt : “Bei der Feldarbeit mit meinem Vater bin ich hinter so einer Mähmaschine hergelaufen, zur Kontrolle, wie mir aufgetragen wurde. Das Wetter war schlecht , kalt und nass, wahrscheinlich war ich unaufmerksam und in Gedanken ganz woanders, als sich die Kardanwelle einen Zipfel meines Schurzes schnappte, und nach und nach meinen ganzen Körper erfasste. Es wirbelte mich immer und immer wieder herum, bis mich das Monster endlich frei gab.

Buchstäblich abgewickelt bin ich geworden, erst vor meiner Haut und dem Fleisch darunter haben die Krallen haltgemacht. Wie durch ein Wunder lag ich mit dem Gesicht nach unten, splitterfasernackt aber unversehrt und ohne einen Kratzer auf dem durchwühlten Acker. Die Kurbel hatte mich total entkleidet – unter dem Schurz trug ich mehrere Schichten aus Jacken, Pullovern, Hosen und Unterwäsche, aufgrund der Kälte im späten Jahr.

Mein strenger Vater sah mich so liegen und ohne ein Wort des Trostes schickte er mich heim zur Mutter. Nur mit einer Decke um die Schultern kam ich zu Hause an. Meine Kleider waren in kleine Stückchen gerissen, wie durch eine Hexelmaschine getrieben.

Am gleichen Tag schlug noch der Blitz in eine Fichtenlatte ein, die die schweren ,mit Früchten beladenen Äste der Apfelbäume stützt. Mein Vater fuhr ganz in der Nähe mit seinem Traktor herum und durch den Einschlag hat es ihn vom Sitz geschleudert und wie mich kurz zuvor auf den Acker geschmissen. Mit zu Berge stehendem Haar kam auch er schliesslich daheim an.“ Daran muss ich immer denken, wenn ich wieder einen mit blauem Schurz sehe....
 
 
 
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