Es erzählt der Alte die Legende vom Heiligen Besenhard von Bärenbad

Herbert Rosendorfer
26.08.2009
 
Es lebte der Heilige Besenhard, Asket und Dulder, zur Zeit des Zweiten Konzils von Roffré della Luna. In seinem sechzehnten Lebensjahr beschloß er zu Ehren der Gottesgebärerin für vier Wochen nur auf einem Fuß zu stehen. Sein Vater, ein Gemischtwarenhändler, der seinen Sohn eigentlich als Nachfolger im Geschäft erhoffte, tobte und verstieg sich zu der Behauptung, das tue der Lümmel nur, weil er nicht arbeiten wolle. Diese Gotteslästerung wurde unverzüglich geahndet. Dem Gemischtwarenhändler fielen die Ohren ab.

Nach Ablauf dieser ersten Askese beschloß Besenhard, nunmehr zu Ehren der Heiligen Georg, Cletus, Sigismund, Wolfhilde, Pontianus und Piuselius Akkadus ganze vier Monate auf einem Bein zu stehen. Das Essen mußte ihm gebracht werden, auf den Abtritt trug ihn ein frommer Mönch aus dem nahegelegenen Kloster, der ihn auch im Schlaf aufrecht hielt.

Danach, in seinem zweiundzwanzigsten Jahr, stand St. Besenhard, nunmehr schon geübt, zu Ehren der Zwölf Apostel, des vom Erzengel Gabriel hinterlassenen Fußabdruckes, der zu Gossensaß aufbewahrt wird, sowie des Heiligen Ochsen und des Heiligen Esels vier Jahre lang auf einem Bein und dann endlich vierzig Jahre lang zu Ehren der Dreifaltigkeit.

Das reichte dem Heiligen aber nicht an Askese. Im zehnten Jahr seines Ein-Bein-Stehens beschloß er, ständig seinen rechten Arm nach oben zu strecken, und zwar zu Ehren der Vier Gekrönten Märtyrer, der Heiligen Thebäischen Legion und der Heiligen Neunundneunzig Sakkophoren. Und endlich, im dreißigsten Jahr seines Ein-Bein-Stehens und im zwanzigsten Jahr seines Rechten-Arm-Hochreckens beschloß er, zur Sühne für den Frevel der Rotte Korah zum Lob der Päpstlichen Unfehlbarkeit den Mund ständig sperrangelweit offenzuhalten. Da er nicht mit offenem Mund schlucken konnte, mußte er durch Nährklistiere versorgt werden.

Im letzten Jahr seiner Askese verstieg sich Besenhard allerdings dazu, er schrieb es auf eine Tafel mit der linken Hand, sprechen konnte er ja nicht, daß ihm die Dreifaltigkeit nicht mehr reiche. Er postulierte eine Vierfaltigkeit: zu den bisherigen Drei noch Gott Schwiegersohn.

Das kam dem Papst zu Ohren. Es standen ihm sofort die Haare zu Berge, obwohl er eigentlich kahlköpfig war. Nämlich allein zu dem Zwecke, dieses Entsetzen anzuzeigen, wuchsen dem Papst Haare, die kurz zu Berge standen und dann wieder abfielen. Der Papst war, wie man sich denken kann, erschrocken. Er befragte sieben Moraltheologen, ob dieses Haarwunder von Gott komme oder aber teuflischen Ursprungs sei. Die Moraltheologen kamen zu dem Ergebnis: wenn die Zahl der Haare, die dem Papst gewachsen waren, durch drei teilbar sei, dann göttlich, wenn durch vier teilbar, teuflisch. Das war nicht mehr nachzuprüfen, denn die Pontifikal-Putzfrau hatte die Haare schon weggekehrt.

Der Papst ließ es dabei bewenden und sagte: „Ich bin froh, wenn er nicht auch noch die Fünffaltigkeit erfindet. Außerdem bin ich neugierig, was er noch in die Höhe hält.“

Dazu kam es nicht mehr. Wenig später nämlich schrieb der Heilige Besenhard auf seine Schiefertafel, er wolle nach Bärenbad auf dem Vigilius-Berg gebracht werden. Das geschah, und dort schloff ihm eine Maus in den offenen Mund, und an der Maus erstickte er.

Auch die Maus erstickte. Ihr unverweslicher Leib wird in der Besenhardus-Kirche in Bärenbad aufbewahrt und wird erfolgreich gegen Hirnschwund angerufen.















 
 
 
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