.....mehr als Bogenschießen

Barbara Koppelstätter
30.04.2013
 
.....mehr als Bogenschießen
Heute ergibt sich für mich endlich die Gelegenheit zum Bogenschießen. Darunter stelle ich mir Konzentration und Atmung vor und ich freue mich darauf. Wir treffen uns an einem freundlichen Herbstmorgen auf der Wiese hinterm Vigilius.

Die Gruppe versammelt sich – vier Männer und ich. Wohl eher ein Männersport, denke ich. Na gut, mal sehen… und gleichzeitig weiß ich schon ganz genau, das ich nur die Mitte der Zielscheibe treffen will.

Nach einer kurzen Einweisung geht’s los. Jeder von uns schießt zum allerersten Mal. Einige Pfeile treffen schon in die Zielscheibe, andere landen außerhalb, im Netz. Mein Pfeil befindet sich oberhalb, direkt in einem Baumstamm. Oh, das war nicht das, was ich wollte. Zu meinem Trost sehe ich viele Löcher dieser Art in diesem Baumstamm.

Nächster Versuch… Einatmen, gleichzeitig spannen und zielen. Jetzt sollte ich loslassen, aber ich tue es nicht, ich korrigiere und korrigiere mein Ziel – das Zentrum der Scheibe. Dann erst lasse ich los und wieder saust der Pfeil an der Zielscheibe vorbei. So langsam begreife ich, dass zwischen Gedanken und Taten ein weiter Weg liegen kann. Ich bin damit beschäftigt, den perfekten Zeitpunkt zum Loslassen zu finden, dabei bemerke ich, das meine Kräfte im Arm schon nachlassen.

Jetzt wird’s Zeit etwas zu verändern. Zuerst meinen übereifrigen Ehrgeiz loslassen. Dann vielleicht meine gesamte Körperhaltung verbessern, etwas mehr Spannung könnte nicht schaden. Die Atmung verstärken und schneller den Pfeil abschießen, Arm und Schulter still halten. Doch die Pfeile landen noch immer nicht da, wo ich sie haben will. Tja, Theorie und Praxis!

Ich frage mich, was nun… und genau in diesem Moment höre ich ein leises „es reicht, hör auf“! Gleich darauf kommt ein sehr hartnäckiges „mach weiter, nur ein Pfeil in die Mitte“!  Blitzschnell entscheide ich mich fürs Weitermachen, denn Aufgeben liegt nicht in meiner Natur.

Der Bogen wird noch schwerer, Arm und Schulter halten nicht mehr still und zittern noch mehr. Wie ich den Pfeil loslasse, knallt die Bogensehne gegen meinen Unterarm. Autsch, das tut weh!  Auch das hält mich nicht ab. Noch einmal… und wieder treffe ich nur MICH!

Mir kommt in den Sinn, dass die Stunde vielleicht bald zu Ende geht! Oder dass ich einfach aufhören könnte!  Oooohhhh nein, Aufgeben geht gar nicht! Dieses alte Muster von mir! Natürlich wäre es in diesem Falle besser für mich gewesen.

Die Stunde ist nun wirklich vorbei und ich habe viel mehr als Bogenschießen gelernt.

Ich konnte hören, wie sanft und wohlwollend mein wahres Selbst spricht, und wie laut mein Ego ist. Ich war nur der Beobachter dieser Situation und habe eine wichtige Lehre daraus mitgenommen: Meinem ersten Impuls zu vertrauen! DANKE.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
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