Wenig Rauch um Viel

Autor Anonym
04.06.2008
 
Während ich an meinem Grappa schlürfte, der übrigens köstlich war, dachte ich mir: Ich habe schon wieder viel zu viel gegessen. Es war hervorragend, aber einfach zu viel für mich. Eine Zigarette, ja eine Zigarette, das wäre jetzt gut. „Beatrix, ich gehe mal an die frische Luft“, sagte ich zu meiner Frau. Auf dem Flur war kein Mensch, und es war ein langer Weg ins Freie. Um diese Zeit spielte die Musik im Speisesaal. Soll mir recht sein, hab ich mir gedacht, habe sowieso keine Lust auf Gesellschaft.

Im Freien angekommen, merkte ich sofort, dass es kühl war, eigentlich zu kalt für diese Jahreszeit, es war Sommer. Ich fror im ersten Moment und merkte sofort, dass ich mein Jackett im Speisesaal liegen hatte lassen. Aber halb so schlimm, sagte ich zu mir, ich rauche nur schnell eine Zigarette und gehe dann zurück. Als ich in meine Hosentasche griff, merkte ich, dass ich zwar ein Feuerzeug bei mir trug, die Zigaretten aber im Jackett waren, das im Speisesaal hing. Na toll, dort sind sie ja bestens deponiert. Ich atmete tief durch, aus Ärger, wollte schon umdrehen, als ich es spürte. Es tat fast schon weh. Ich merkte, wie sich die frische Luft in meinen Lungen ausbreitete. Für einen Moment war ich wie gelähmt, dann, als ich mich wieder gefasst hatte, ging ich vor zur Brüstung. Langsam erholte sich mein Körper wieder vom Sauerstoff, der, wie mir schien, in meinem Körper fast im Übermaß wirkte. Was war das? Ich muss mit dem Rauchen aufhören, dachte ich mir.

Eigentlich wollte ich das schon lange, oder zumindest redete ich mir das ein. Nur diesmal war es anders, die Tatsache, dass die Zigaretten im Speisesaal lagen und ich hier auf der Hotelterrasse stand, machte mir gar nichts aus. Dieser Zwang, jetzt unbedingt Nikotin zu inhalieren, war urplötzlich verschwunden. Auch, dass es kalt war, oder frisch, eigentlich zu frisch für diese Jahreszeit, denn es war Sommer, verspürte ich als angenehm. Auch das Völlegefühl im Magen war wie von Geisterhand verschwunden und ich fühlte mich pudelwohl. Morgen mache ich eine ausgiebige Wanderung, mit Rucksack und richtigen Schuhen und allem, was noch dazugehört, so wie damals, in meiner Kindheit.

Ich verlagerte mein Gewicht auf die Arme, die sich am Geländer festhielten und schaute ins Tal. Diesmal schaffe ich es. Langsam spürte ich doch, dass es kühl war, viel zu kühl für diese Jahreszeit, es war Sommer. Stolz lachte ich in mich hinein und ging zurück in den Speisesaal.
 
 
 
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