Winterlandschaft

Autor Anonym
21.05.2008
 
An einem Wochenende vor einigen Jahren absolvierte ich mit einigen Freunden einen Skitourenkurs. Unser Kursleiter hatte uns so einiges beigebracht: über Schneeprofil anfertigen, Karten lesen, Eisklettern, Bergung aus einer Gletscherspalte, bis zur Verschüttetensuche wurde vieles besprochen und auch geübt.

Bei der Verschüttetensuche dient zur schnellen Ortung des Verschütteten ein LVS-Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät), zur genauen Lokalisierung wird eine Lawinensonde verwendet. Dabei wird mit der Sonde vorsichtig in den Lawinenkegel eingestochen. Man kann dabei unterscheiden, ob man auf Boden, weitere Schneemassen oder auf etwas Weiches wie z.B. Bekleidung stößt.

Wir haben zur Übung auch ein Biwakzelt im Schnee vergraben. Jeder durfte probieren, wir haben das Biwakzelt dabei mehrmals vergraben und wieder gefunden.

Das war ein sehr schönes und lehrreiches Wochenende für meine Freunde und mich. Leider hatte einer meiner Freunde vergessen, sein Biwakzelt wieder aus dem Schnee auszugraben und mit nach Hause zu nehmen. Es lag nun vergraben im Schnee am Berg oben.

Da ich freitagnachmittags immer frei hatte, schlug ich ihm vor, dass ich am Freitag wieder zu unserer Übungsstelle aufsteigen könnte, um nach dem Biwakzelt zu suchen. Gesagt getan, ich fuhr zum Ausgangspunkt der Tour, zog mir die Skischuhe und die Ski mit den Fellen an und ging Richtung Verschüttetenübungsstelle los.

Mein Weg führte mich durch einen wunderschönen, winterlichen Wald, der Schnee glitzerte in allen Farben und ich war ganz alleine auf dem Weg. Ich genoss den ca. eine Stunde dauernden Aufstieg. Noch einen kleinen Hügel, dachte ich mir, dann bin ich am Ziel. Das Ziel lag kurz oberhalb der Baumgrenze, vor mir weitete sich ein Plateau mit einigen Sträuchern, die sich aus dem Weiß des Schnees hervorhoben. Die Sonne stand schon sehr tief und erzeugte eine ganz besondere Stimmung.

Was ich dann auf diesem Plateau sah, war für mich das schönste Erlebnis das ich je hatte: ungefähr zehn Gämsen hatten sich hier zusammengefunden und nagten an den wenigen Sträuchern, die aus dem Schnee ragten. Ich blieb stehen, um diese friedlich weidenden Tiere nicht zu verängstigen, aber diese hatte gar keine Angst. Sie sahen mich kurz verwundert an und widmeten sich dann sogleich wieder ihren Sträuchern.

Ich ging langsam zu unserem Übungsplatz vom letzten Wochenende und suchte nach dem Biwakzelt, das ich auch gleich fand. Ich blieb noch eine Weile auf diesem Plateau, um den Anblick dieser Tiere und vor allem das Gefühl das ich dabei hatte, zu genießen.

Es war ein Gefühl von grenzenloser Freiheit, von vollkommener Verbundenheit mit der Natur und vollkommener Zufriedenheit. Ich war ganz alleine hier an diesem wunderschönen Ort, mit dieser Dämmerungsstimmung und diesen Gämsen, die mich ab und zu anschauten, mit einem Blick, der mir Geborgenheit gab. Ich ging auf in diesem Moment, es gab nur das reine Erleben der Natur, des Augenblicks.

Dies war mein schönstes Erlebnis und wenn ich heute ab und zu daran denke habe ich wieder so ein Gefühl der Ruhe und der Zufriedenheit in mir.
 
 
 
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